London Edinburgh London 2017: Eindrücke eines Laien

Seit drei Wochen bin ich nun wieder aktiv im Job und Familie. Die Eindrücke von LEL2017 sind aber präsent - einige Eindrücke werden erste verarbeitet und auch der Körper hat noch ein paar Wunden, die auf Genesung warten. Aber zum Anfang - LEL2017?

LEL2017?

London Edinburgh London - LEL2017 - beschreibt die Strecke, die man mit dem Rad "am Stück" zurück legen will - so auch ich. Ziel ist es, die rund 1400 km unter 100 Stunden zu bewältigen, inklusive aller Tätigkeiten wie Fahren ;), Schlafen, Essen und möglichst wenig Schrauben, Reparieren. LEL ist kein Rennen im klassischen Sinne, es gibt keine Preise und maximal die Anerkennung aus den Reihen der Beteiligten oder Interessierten. Trotzdem verfalle ich hier und da dem Zeitdruck, will voran kommen.

Die Idee und Hintergründe

LEL kam zu mir, vor vier Jahren bekam ich über die Teilnahme von Markus mit, dass es dieses Event gibt. Zu dieser Zeit besitze ich noch kein Rennrad o.ä. Gefährt für diese Art von Touren. Zu LEL2013 wird parallel eine Crowd-Kampagne gestartet - es soll ein Film entstehen, der über diese Mittel finanziert wird. Sehr schön, mag ich, bin dabei und bekomme als Gegenleistung ein sicheres Ticket zum nächsten Event, LEL2017. Meine Startnummer bei LEL2017, D18 Ab nun ist das Thema im Hintergrund, vier Jahre bis zum Event und eigentlich keine Ahnung, was ed bedeutet so eine Strecke zu bewältigen. Macht auch nichts, denn der Film steht im Vordergrund, die Idee unterstützen. Ich bin aber von der Herausforderung getragen, mag solche Themen am Horizont und dies führt dazu, dass ich mir zum 40sten ein Rennrad schenke, ich baue was auf, was mir gefällt und fange an die Straße zu mögen. Weg vom Mountainbike, auf die Straße und insbesondere bewundere ich die Reichweite. Das Radeln auf der Straße erschließt so viel mehr an Weite, an Eindrücken durch die Möglichkeit weiter zu reisen. Meine neue Heimat rund um Jena macht es mir einfach. Die Strecken hier sind wunderbar ausgebaut, abwechslungsreich und wenig Verkehr durch die blechernen Kollegen. So ergeben sich neue Leidenschaften, neue Touren und ziemlich schnell auch ein neues Rad - Zufall und Glück. Bis dahin sind Touren bis maximal 300 km am Stück gefahren und eine Entscheidung muss her, welches Rennrad will ich weiter fahren. Zwei Räder im sehr gleichen Nutzung sind mir zu viel. Ich entschließe mich spontan per Bahn an die Ostsee zu fahren, ab dort geht es per neuem Rad nach Hause - 500 km am Stück durch die Nacht sind mein erster Eindruck von einer längeren Strecke und der Besonderheit, Fahren in der Nacht mit all seinen Eindrücken, Problemen und Besonderheiten. Die Entscheidung ist im Anschluss gefallen, einige mm sitzen auf dem Canyon besser, dieses Rad soll mich also in Zukunft begleiten.

Vorbereitung

Ab hier gibt es keine Steigerung mehr, ich fahre Touren, so weit es die Zeit zulässt. Eine Vorbereitung für LEL wird es nicht geben. Ich betreibe das Rad fahren, weil es mir Freude macht - ich bin unterwegs, kann genießen und mich auspowern. Ich brauche keine zweite Person, ganz im Gegensatz zum Klettern, kann ich hier allein agieren und entscheiden. So wird das Radeln immer mehr ein Teil von mir, mehr als früher, als es der Abwechslung, dem schnellen Spaß im Wald diente. Gleichzeitig fange ich an die Besonderheiten der Hardware lieben zu lernen, so viele schöne kleine und große Details. Das Thema Vorbereitung kommt immer wieder in den Vordergrund, per Twitter und Strava erfährt man von anderen Teilnehmern zu LEL2017, was sie tun, wie sie es tun. Dabei kommen natürlich immer wieder Zweifel hoch, kann ich das Schaffen, ist die Herausforderung nicht zu gewaltig. Letztlich bleibt mir aber keine Wahl, viel mehr Zeit für Touren kann ich mir nicht nehmen und ich erinnere mich an meinen 500er, letztlich ist der Kopf der wichtigste Muskel - auf den setze ich. Außerdem denke ich mir, ich kann nur gewinnen, auch bei einem Abbruch habe ich gelernt, habe Eindrücke gesammelt und riskiere wenig, maximal ein ungeplante Rückreise zum Ausgangsort. Schlussendlich freue ich mich sehr, bin wenig nervös und die Zeit kommt, dass ich auch ernsthaft plane/packe.

Die Veranstaltung

Die Veranstaltung ist kurz gesagt, großartig. Organisation ist ohne Makel und insbesondere die Volunteers machen die Control Points zu einer warmen Umgebung. Man wird umsorgt, kann aus verschiedenen Mahlzeiten wählen und ich kann einfach keine negativen Punkte finden. Die Route ist frei wählbar, man kann fahren wie man will und es gilt nur die Brevetkarte zu füllen, also jeden Control Punkt zu besuchen. Diese Control Punkte bieten gleichzeitig Essen, Werkstatt und Schlafmöglichkeiten, so dass man diese unterwegs nicht zwingend selbstständig suchen muss. Im Überblick sieht meine Route wie folgt aus, dies ist Resultat meiner Reise und Nutzung der Tracks, die der Veranstalter bereit stellt. Dabei gab es zwei Strecken mit Optionen - schöner, hügeliger oder schnell und flach. Route auf einer Karte von GB Neben den Vorzügen einen empfohlenen Track zu bekommen haben wir Teilnehmer die Chance zwei Bag Drops zu hinterlegen, zwei Orte der Route, an denen wir jeweils einen Beutel mit einigen Utensilien hinterlegen können. Ich entscheide mich für Thirsk und Edinburgh, hinterlege Wechselkleidung, Batterien und einige Sachen zum Naschen. Am Ende habe ich aber beide Beutel nicht benötigt, so dass sie lediglich eine kleine Rundreise angetreten haben. Mehr muss man nicht sagen, alles andere sind Rahmenbedingungen, sind Möglichkeiten des Events.

Los geht es

Der Start erfolgt in Blöcken, alle 15 min fahren ca. 20 Fahrer los und bestreiten ihre ganz persönliche Reise. Ich nutze einen frühen Block, Abfahrt ist 6:30 Uhr. Die ersten starten 5 Uhr, möglichst schnelle Fahrer, die unterwegs an den Kontrollpunkten keine Zeit durch zu viel Andrang verlieren wollen, die ihre Uhr immer im Blick haben. Mein Feld schein gemischt, Fahrer aus Taiwan, Frankreich, Deutschland. Das gesamte Feld umfasst Teilnehmer aus 58 Ländern - wow. Ich bin nicht nervös - wie eigentlich erwartet. Schlafe gut, bin vorbereitet und bin 6 Uhr am Start. Trinke einen Kaffee, schaue mir die beiden anderen Starts an und warte der Dinge die da kommen. Das Wetter spielt noch mit, kein Regen und auch nicht zu kalt, alles gut und los geht es. Foto vom Start LEL 2017 Die ersten Kilometer tun gut, man findet in den Tritt, hat Kontakt zu anderen Teilnehmern, hat ein Gruppe zum gemeinsamen Reisen. Die Gespräche sind schön, immer ähnlich: Woher, wieviel Erfahrung, Ziele. Ich fühle mich wohl, das Fahren macht Freude, die Landschaft ist grandios, die Eindrücke vielfältig. Ständig gibt es was zu sehen, zu entdecken und letztlich fühle ich, ich bin nun wirklich ein Teil von LEL. Ab nun wechseln die Gruppen, hier da fällt jemand raus - Platten oder andere technische Probleme und auch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten fordern nun Tribut, kleine Gruppen bleiben erhalten. Ich finde so viele km sehr angenehm, ich habe eine gute Gruppe, mein Speed und ich bin viel im Wind. Fahren in der Gruppe empfinde ich als unangenehm. Dies habe ich sonst nie, fahre viel allein und sehe damit die Straße vor mir. In der Gruppe heißt es vertrauen, das Rad der Person vor dir nicht aus dem Auge verlieren. Die Straßen der Insel sind rau, weniger gut gepflegt als in Deutschland, so dass Löcher und ein gerissener Straßenbelag meine Aufmerksamkeit wollen. Auch ich werden von Platten heim gesucht, muss meine Gruppen verlassen und das Rad wieder in Schwung bringen. Leider ist am Ende zu sagen, meine Schuld. Ein Satz Reifen, der schon 4000 km auf dem Buckel hat ist einfach zu beansprucht für England - "Never touch a running System" war hier die falsche Entscheidung. Im Laufe der Tour flicke ich fünf mal und tausche nun auch die Mäntel komplett. Im Grunde kein Problem und bei der Distanz sind diese Pausen wenig problematisch. Bei fast jedem Stop bekomme ich Angebote zur Hilfe oder Verpflegung, immer wieder freundliche Kontakte, so dass diese Zwangsstops nicht wirklich einen negativen Einfluss haben. Die ersten km machen Freude und nach kaum mehr als 3 Stunden habe ich St Ives erreicht, erster Stop. Mal schauen wie die Control Points sind und ich werde wieder positiv überrascht. Schon jetzt fällt auf, es ist an alles gedacht, viel Auswahl und keine Sorgen, dass man nicht satt wird. Die Getränke werden aufgefüllt, ein neuer Schlauch angeschafft und es kann weiter gehen. Die Entfernungen der Verpflegungspunkte sind genau nach meinem Geschmack. Alle 70 bis 80 km bevorzuge ich einen kurzen Stop, Verpflegung, Auffüllen der Getränke und weiter. Meine Touren aus eigener Planung, ob allein oder mit Freunden sind ähnlich aufgebaut. Diverse Hungeräste haben mich so weit erzogen, dass ich diese Entfernungen pflege und beachte, bisher wurde ich damit nie enttäuscht. Die nächsten Etappen stehen an, noch finden sich Mitstreiter beim Start und schöne unkomplizierte Gespräche unterwegs. Ich habe nicht das Gefühl, dass man in extremer Eile ist. Ich bin entspannt, und radel los, sobald ich satt und erholt bin. Die Uhr ist präsent, aber nicht fordernd. So geht es weiter und am späten Abend erreiche ich Thirsk. Ich entscheide mich hier zur ersten Nachtruhe. Die erste Idee vor dem Event war, bis Edinburgh zu fahren, die Hälfte der Strecke zurück zulegen und dann zu separieren, die Frische des Körpers über die erste große Distanz zu bringen. Aber die letzte Etappe nach Thirsk ist im Dunkeln, ich ertappe mich, wie ich es vermisse, nichts von der Strecke, der Umgebung zu sehen - es wird pures Weiter. Das gefällt mir nicht und so ist der Stop genau richtig. Auf dem Rückweg habe ich diesen Abschnitt nochmals bei Licht, kann ihn wieder genießen und bin froh so entschieden zu haben. Meine aktuell Gruppe stoppt auch, eine Weiterfahrt gemeinsam bleibt aber aus, meine Nachtruhe ist länger. Ich finde einen neuen Partner, 57 Jahre alt, auf dem Rad aber unterwegs wie ein 30-jähriger. Nach 3,5 Stunden Schlaf geht es zum Frühstück und weiter, auf die Straße zurück, die ersten Sonnenstrahlen kommen gleich und begleiten uns. Ab nun wird es bergiger, die flachen Abschnitte werden weniger. Parallel wird es mehr Weitsicht, weniger Infrastruktur, schöne Ausblicke, tolle Natur. So geht es auch über den höchsten Punkt der Tour, langer aber schöner Anstieg und endlich mal eine Abfahrt um auf dem Oberrohr zu liegen - toll. Über den Gipfel zieht uns beide unsere neue Bekanntschaft, am erste Drittel des Berges haben wir sie gemacht. Es ist ein Britte, 64 Jahre alt, kurze Radhose, kurzes Trikot und Bommelmütze - tritt auf seinem sehr gepflegten Stahlross jeden Tag diesen Pass hinauf und zurück, Entspannung für ihn. Ich habe fast alles an, was ich dabei habe, es ist trotzdem frisch  - Briten haben ein anderes Gefühl gegenüber dem Wetter. Er zieht uns über den Gipfel, ist begeistert von dieser Tour und unserer Teilnahme. In der Abfahrt verabschieden wir uns, danke für dieses Erlebnis und weiter. Ich genieße diese Abfahrt, meine Begleitung liegt in meinem Windschatten und die km gleiten dahin. Bis Moffat fliegen wir. Hier treffe ich meine alte Gruppe wieder, engagierte Briten aus Bristol, Audax Club, die die Uhr im Blick haben. Ich schließe mich wieder an und wir gehen gemeinsam auf Tour, die Abendstunden führen nach Edinburg, Halbzeit und noch ein Stück durch schottische Wiesen und zu vielen Schafen bis nach Eskdalemuir. Hier bekomme ich das vorletzte Bett und ruhe für 4 Stunden. Dieser Stop ist klein, aber schön und ruhig. Ich schlafe gut und genieße das Frühstück. Meine bisherige Gruppe ist wieder weg, sie wollte nur 2 Stunden ruhen - ich will mehr. Am frühen morgen starte ich von Eskdalemuir bei leichten Nieselregen, unschön, aber nicht kalt. Das erste Licht sollte in 30 bis 60 min zu sehen sein, alles gut. Leider ändert sich das nun, der Regen wird stärker. Ich bin allein unterwegs. Die Begleitung am Morgen kann meinem Tempo nicht folgen, an Anpassung ist nicht zu denken, es muss laufen, fühle ich. Nun also allein, Kopf und Beine helfen sich, der Regen wirkt dagegen. Ab nun bin ich in strömenden Regen unterwegs, gefühlt 2 m Sichtweite und immer Aquaplaning. An einen sinnvollen Stop ist nicht zu denken, kein Unterschlupf in Sicht und so nass, dass Anhalten nur zum Kalt werden führt. Also weiter, weiter bis zum nächsten Punkt. Nun überschneiden sich erstmals die Strecke nach Norden mit meinem Weg nach Süden. Ich sehe also sehr viele Radler, grüße hier und da, obwohl meine ganze Motivation dem Vorwärts, gegen den Regen gehört. Wie sie sich wohl fühlen, sie müssen noch so viele km mehr treten, ich habe viel hinter mir? Bis Brampton zieht es sich, es ist harte Arbeit im Regen und ich werde kalt. In Brampton angekommen zeigt mir man mir sofort die warmen Duschen. Wenige Minuten später stehe ich darunter, in voller Montur, mit Helm und spüle den Regen von oben nach unten, ganz gleich dem Regen die letzten 60km. Ich werde wieder warm, esse noch einige Nudeln und trinke warmen Tee. Aber nun weiter, die Sachen  trocken fahren und wieder Bewegung spüren. Der Regen lässt nach, so dass ich nicht kalt werde, die Kleidung trocken wird. So bewege ich mich weiter bis Pocklington, was ich Müde und kaputt erreiche. Noch früh am Abend nutze ich trotzdem die Möglichkeit des Schlafens, kann ein Bett unter vielen auswählen. Regen und Kälte haben mir zugesetzt und ich genieße die Ruhe. Hier treffe ich erste Fahrer, die aufgeben, die Herausforderung beenden. Ebenso kommen immer mehr "Leichen" an, Fahrer die so erschöpft sind, dass Essen nicht mehr im Magen bleibt, dass Schlafen schwer fällt, ein Weiterkommen nicht ersichtlich. Ein guter Moment, ich bin wach und mache mich wieder auf die Reise, ein Umfeld das ich nicht brauche und die Ruhe des sehr frühen Morgens ist schön. Bis Louth läuft es, die Länge der Strecke ist spürbar, der Körper gibt Signale, alles im Rahmen und ich will weiter. Ab Louth wird es dann nochmals zur echten Herausforderung. Der Wind stellt sich uns entgegen, in dem Fall bin ich mit einem Italiener unterwegs und wir kämpfen beide gegen den Wind, Don Quichotte stellen wir in den Schatten. Ohne Treten bleiben die Räder stehen, kein Rollen oder gleiten - einfach nur Hometrainer-Gefühl. Die Strecke ist gefühlt ewig. Wenig Kontakt mit anderen Fahrern, alle kämpfen in ähnlichen Situationen. In Spalding angekommen hole ich mir nochmals 1 Stunde Schlaf, dann geht es weiter. Spalding, St Ives, Great Easten bestreite ich mit Roger, auch aus Bristol, einer aus der schon mehrfach genannten Gruppe. Die Gruppe ist zerfallen. Zwei Fahrer sind vor uns, die anderen sind ausgefallen oder wurden abgeholt. Roger und ich finden uns, er ist sehr angenehm und zieht mich nicht selten über die Hügel. Ich dagegen liege auf den Auflegern auf gerader Strecke oder Bergab und ziehe ihn, ich rolle um einiges besser und kann dann trumpfen. Das Spiel passt gut, wenn wir nur nicht so geschafft wären. Gespräche werden seltener und wir machen nur Meter um Meter. In Great Easten verlässt mich Roger, er stoppt hier und wird nach Hause geholt; für mehr ist keine Zeit. Ich bin an einem Punkt, wo die Aufgabe sehr nah ist. Mir ist kalt, ich bin im Eimer und will nicht mehr. Ich muss kämpfen. Ich entschließe mich 45 km vor dem Ziel zu einem Stop, hole mir 4 Stunden Schlaf, ein gutes Frühstück, nette Worte und ich bin wieder da. Der Start in die Nacht gelingt und ich rolle. Ein kleiner Verfahrer in der Dunkelheit, zurück, zurück auf dem Track und weiter. Nun fühle ich es, es ist nicht mehr weit, ich schaffe es, ich kann London Edinburgh London schaffen. Das beflügelt mich, echtes Adrenalin unter dem Haaransatz - ich liebe es.

Das Ziel

Gegen fünf erreiche ich das Ziel, unspektakulär rolle ich ein. Keine Fanstraßen, keine Musik. Auch das Orga-Team ist lange wach, aktiv und so brauchen zu meiner Ankunft einige Schlaf. Ich komme an, hole meinen letzten Brevetstempel, die Brevetcard ist voll, dass Rennen gelaufen. Eine Medaille und Erleichterung zieren meinen Körper. Was für eine Tour, was für eine Veranstaltung. Foto vom Ziel in LEL2017 Erst später realisiere ich: ich habe es getan. Die Ankunft anderer in den Folgestunden und Tagen setzt es bei mir frei, die Freude und Erleichterung. Ich verfluche mein Rad nicht, ich habe zwei Tage später Lust zu radeln. Die gleiche Freude am Rad ist geblieben, nur die Ziele werden neue sein, andere und hoffentlich mindestens genauso schön. Danke, dass ich LEL erleben durfte. Ich bin in der Vorgabe des Zeitlimit von 100 Stunden geblieben, habe viel über mich, meinen Körper gelernt. Ich habe auch beim  Bergsteigen lange Touren, Tage und Nächte erlebt, aber nicht so lang hintereinander. Eine tolle Erfahrung mit wenig Risiko - man kann nur gewinnen, gewinnen an eigener Erfahrung und Eindrücken. Es gibt so viel mehr Eindrücke wieder zu geben, so viele schöne und nette Gespräche im Umfeld des Ereignisses. Treffen mit Menschen, die man bisher nur Online kannte oder erste vor Ort kennen lernt. Ein Treffen und Gleichgesinnten. Einiges bleibt, anderes vergeht. Die Erfahrung bleibt mir, nur mir und wird mich wie viele andere Ereignisse davor und danach prägen. Genug für diesen Artikel, genug für meine Erinnerung um diesen Artikel zu schreiben.

Trackingtabelle des Orgateams

Timestamp Event Control Distance (km) Time in Hand
2017-08-03 05:35:25 Arrival London 1441 5 hours 19 mins
2017-08-03 03:12:16 Departure Great Easton 1393 4 hours 22 mins
2017-08-02 22:10:06 Sleep Start Great Easton 1393 9 hours 24 mins
2017-08-02 22:07:37 Arrival Great Easton 1393 9 hours 26 mins
2017-08-02 18:24:29 Departure St Ives 1322 8 hours 12 mins
2017-08-02 17:51:59 Arrival St Ives 1322 8 hours 45 mins
2017-08-02 12:40:54 Arrival Spalding 1261 9 hours 41 mins
2017-08-02 08:32:38 Departure Louth 1177 7 hours 58 mins
2017-08-02 08:00:55 Arrival Louth 1177 8 hours 30 mins
2017-08-02 03:00:35 Departure Pocklington 1080 6 hours 45 mins
2017-08-01 19:56:02 Arrival Pocklington 1080 13 hours 49 mins
2017-08-01 16:20:38 Departure Thirsk 1013 12 hours 44 mins
2017-08-01 15:45:45 Arrival Thirsk 1013 13 hours 19 mins
2017-08-01 13:06:02 Departure Barnard Castle 946 11 hours 19 mins
2017-08-01 12:31:57 Arrival Barnard Castle 946 11 hours 53 mins
2017-08-01 08:46:50 Departure Brampton 865 9 hours 59 mins
2017-08-01 07:35:21 Arrival Brampton 865 11 hours 11 mins
2017-08-01 05:01:05 Departure Eskdalemuir 804 9 hours 30 mins
2017-08-01 05:00:36 Departure Eskdalemuir 804 9 hours 31 mins
2017-08-01 04:32:09 Sleep End Eskdalemuir 804 9 hours 59 mins
2017-08-01 00:23:15 Sleep Start Eskdalemuir 804 14 hours 8 mins
2017-07-31 23:51:44 Arrival Eskdalemuir 804 14 hours 39 mins
2017-07-31 21:34:49 Departure Innerleithen 755 13 hours 31 mins
2017-07-31 21:13:23 Arrival Innerleithen 755 13 hours 53 mins
2017-07-31 19:15:03 Departure Edinburgh 712 12 hours 51 mins
2017-07-31 18:40:34 Arrival Edinburgh 712 13 hours 26 mins
2017-07-31 15:44:48 Departure Moffat 632 10 hours 47 mins
2017-07-31 15:15:34 Arrival Moffat 632 11 hours 16 mins
2017-07-31 12:11:31 Departure Brampton 560 9 hours 19 mins
2017-07-31 11:34:48 Arrival Brampton 560 9 hours 56 mins
2017-07-31 08:08:07 Departure Barnard Castle 474 7 hours 23 mins
2017-07-31 07:40:05 Arrival Barnard Castle 474 7 hours 51 mins
2017-07-31 04:57:19 Bag Drop Here Edinburgh 0 0 hours 0 mins
2017-07-31 04:44:57 Departure Thirsk 407 6 hours 6 mins
2017-07-31 00:18:42 Sleep Start Thirsk 407 10 hours 33 mins
2017-07-31 00:02:08 Arrival Thirsk 407 10 hours 49 mins
2017-07-30 21:02:21 Arrival Pocklington 341 9 hours 13 mins
2017-07-30 16:32:58 Arrival Louth 244 6 hours 57 mins
2017-07-30 13:00:28 Arrival Spalding 161 4 hours 42 mins
2017-07-30 10:19:32 Arrival St Ives 100 3 hours 8 mins
2017-07-30 09:36:54 Bag Drop Here Thirsk 0 0 hours 0 mins
2017-07-30 06:30:00 Departure London 0 0 hours 0 mins
2017-07-30 06:16:34 Entered Start Pen London 0 0 hours 13 mins

n+1 oder eine neue Leidenschaft

Das Radfahren war schon immer ein Teil von mir, aber die Vielfalt und die Möglichkeiten des Bezugs machen die Liebe zum Rad vielschichtiger, erlebbarer, veränderbarer. Daher habe ich es mal wieder getan, ein neues Rad steht in der Reihe mit Anderen. Ich habe nicht zu jedem Rad bewusst berichtet, in diesem Fall gab es aber Nachfragen, so dass ich gern einige Bilder und Hintergründe darstellen möchte.

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Nach dem Wechsel des FiveSpeed zu SingleSpeed, was ich aktuell als sehr wertvoll schätze, bin ich über ein Rennrad und lange Touren noch immer hauptsächlich auf dem Tagesrad, mit dem ich täglich ins Büro fahre, unterwegs. Das passiert bei Wind und Wetter - ich bin unterwegs. Bisher immer und bewusst ohne Schutzbleche und dementsprechend markiert. Die Jahre gehen so dahin, viel Arbeit fließt damit auch in die Räder, die mir Winter wie Sommer zur Verfügung stehen. Ich werde älter, vielleicht vernünftiger und so wurde die Idee reifer, mal etwas mit Schutzblechen zu fahren. Wenn schon, dann aber richtig und umfänglich. Es sollte mir nicht nur gefallen, es sollte auch tatsächlich für Schmutz schützen. Der europäische Markt gibt da nicht viele Lösungen her. Die lieben Franzosen bauen kaum noch schöne Bleche, die Kopien sind mangelhaft und der Standard im Radladen kann optisch und funktionell nicht mithalten. So verging Zeit, die Suche nach Teilen für dieses Rad kostet Zeit. Letztendlich habe ich mich für alle Teile entschieden und verbaut. Das Zusammenstellen eines Rades ist wesentlich aufwändiger als der Kauf, viel aufwändiger, und man muss selbst entscheiden, die Entscheidung tragen. Aber gerade diese Konsequenz macht mir Freude - so sind auch die anderen Räder der letzten Jahre entstanden. Man kennt dann die Ecken und Ösen, man lernt dazu und wie so oft auch hier:

Die schönsten Sachen im Leben sind Offline.

Das neue Rad sollte mich also sauber transportieren. In dem Umfeld fällt mit sofort Stahl, ein Randonneur ein und so habe ich in diese Richtung gedacht. Jedes Teil wurde nun sorgfältig ausgewählt, Optik, Preis spielen hierbei eine wichtige Rolle für mich. Die Farbe des Rahmens war ein Problem. Die erste Idee es von meinen Kindern verzieren zu lassen habe ich verschoben, da der Kleine (2) schwer den Rahmen trifft. Vielleicht später einmal. Diverse klare Farben kamen mir in den Sinn, aber eben nicht in den Bauch. Dann sollte es mal was mit Pink sein. Pink? OK, fühlt sich gut an, wenn es nicht kitschig, zu prägnant ist. Die erste Idee steht. Andere Unternehmen kommen mit diesem Eye-Catcher an Farbe gut aus, versuche ich es auch. So selektieren sich die Teile, die Idee wächst, wird Realität und irgendwann liegen sie in Reichweite und können verbaut werden. Pinke Radteile sind rar, einiges erstelle ich selbst um die Farbe hier und da wieder erscheinen zu lassen.

Das Bauen zieht sich bei mir hin. Ich genieße es förmlich, will nicht schnell fertig sein und radeln. Das Benutzen der Hände gefällt mir sehr. So baue ich also am Rad, kümmere mich um jedes Teil, lerne wieder einiges dazu und ein Rad entsteht. Die Vielfalt am Rad ist großartig. Jeder kann seine Idee leben, ausleben, überleben. Es gibt kaum Einschränkungen. Hier ist jeder Fahrer sich selbst am nähsten. Bei anderen Transportmitteln finde ich das schwierig oder schwer erschwinglich.

Bei der Technik habe ich mich wieder bewusst für ein SingleSpeed entschieden, die Übersetzung habe ich mit 2.5:1 gewählt. Ein wenig humaner als mein SingleSpeed -  2,7:1. Das Rad ist schwerer, träger, daher diese Entscheidung. Parallel wollte ich erstmals auf Riemen umsteigen, Gates Carbon Drive wurde nun verbaut. Die restlichen Teile wurden entsprechend gewählt, gehen in die Richtung klassischer Radonneurs.

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Ein neues Rad ist geboren. Letzer Feinschliff: Ich versuche mich an der Arbeit mit Leder, welches ich am Lenker und Schutzblech wieder findet. Je Lenkerseite ist es viel Arbeit, Zeit zu investieren, die sich für mich sehr gelohnt hat. Das Rad ist wie es soll. Ein neue Liebe ist entstanden und das Fahren macht Freude, Maße und Masse passen gut. Es gibt wie so oft auch hier Sachen zu verbessern, die ich mir gut merken will - vielleicht gibt es mal wieder einen Aufbau zu erstellen. Nähte sind bewusst an der Oberseite des Lenkers, ich will die Arbeit spüren. Für die Lenkerabschlüsse finde ich nichts passendes, daher erstelle ich mir einige aus Weichholz, die sich gut einsetzen lassen und zum Leder passen.

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Immer im Kreis und doch vorwärts

Fixie fahren, da wo es nicht besser geht. Erstmalig trete ich eine Tour auf einer Bahn. Es hat mich begeistert. Das Geschenk war überraschend und hat mich glücklich gemacht. Parallel kam ich so in den Genuss ein passendes Rad aus meiner Kinderzeit zu fahren - Fixie, made in GDR.

Die Einfachheit auf der Bahn ist großartig. Man braucht so wenig und muss doch so viel geben.

Ich bin im Vorfeld mein FiveSpeed und Rennrad gefahren. Mit keinem hat es diese pure Freude gegeben. Die Einfachheit macht es. Man empfindet Schaltung und Bremse schnell als Ballast. Der Blick auf neue Fixies im Eingang der Bahn findet fast schon wieder den Blick in den Rad-Raum; n+1 - Die Stückzahl des Cyclisten ;).

Überraschung aus dem Norden

Im Norden soll ja das Wetter härter sein, nur was für echte Männer. Markus gehört dazu, dem hat es so gut gefallen, dass er gleich dort blieb und nun sogar 2 Wikinger groß zieht. Trotzdem findet er Zeit mir eine Freude zu machen und sendet zum Frühlingsanfang ein JerseyBin. Damit ein Grund mehr auf das Bike oder in die Laufschuhe zu steigen und meine Tüte um das Smartphone links liegen zu lassen.

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Eine tolle Idee, nützlicher kleiner Helfer der mich nun noch öfter an den Freund im Norden erinnert und, dass ich ihn viel zu selten anrufe - wie viele andere Freunde auch. Vielen Dank Markus - die Überraschung ist gelungen!

Eiertanz

Und es geht wieder los. Nach einer Woche Pause von dem täglichen Ritt zur Arbeit habe ich mich heute morgen wieder auf den Weg gemacht. Das Rad und ich - unterwegs.
Schön ist es, auch wenn Radwege nicht im Fokus der Gemeinden stehen und damit der Weg sehr verharscht und eisig ist. Nicht alle Wege sind so frei und mit wenig Eis versehen wie das Stück auf dem folgenden Bild. Die Technik schults, das Gemüht freut es. Daher bekommt mein Geist neue Impulse und frische Luft für den ganzen Körper, was unglaublich gut tut, wenn man recht viel Zeit im Büro am Rechenknecht verbingt. Darum freut es mich um so mehr, dass das Fahren ohne Licht zum Sehen möglich ist - auch einige Sonnenstrahlen finden Weg zu mir und machen den Neustart in die Woche noch schöner.

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